Wächter

Auf dem Morgengang, dessen Häufigkeit momentan auch eingeschränkt ist, ein paar Bilder von den grimmigen Löwen- (und Dämonen-?)wächtern in der Toreinfahrt des Fürstenhofes gemacht.

Die Toreinfahrt durchquert den Gebäudeteil des „Neuen Hofes“, den 1553-54 Herzog Johann Albrecht I. anlässlich seiner Hochzeit mit Anna Sophie von Preußen als dreigeschossiges Bauwerk nach oberitalienischen Vorbildern, insbesondere aus Ferrara, als erstes bedeutenden Renaissance-Bauwerk Mecklenburgs errichten ließ.

Als ich gestern am Morgen aus dem Fester sah, zog eine Rauchwolke vom Gebiet der Holzwerke nach Nordosten. Nachts hatte eine große Holzrestehalde Feuer gefangen und beschäftigte den ganzen Tag die Wehren aus Wismar und Umgebung. Die Rauch- und Dampffahnen waren noch bis zum Abend zu sehen.

Die Abkömmlinge werkeln noch an Schulkrams, „Ferien“ sind ja erst ab heute Nachmittag. Der Rest der Familie hat auch nächste Woche nicht „frei“ und muss Heim- und Büroarbeit absolvieren. Hintergrundbeschallung zum Heimschreibtisch heute zunächst mal: Jamie Cullum „Twentysomething“ und Vince Guaraldi Trio mit „Peanuts Greatest Hits“ von Offlinekonserve. Und für danach finden wir dann auch noch was. – Die Kaninchen arbeiten derweil unbeeindruckt von der Weltlage an ihrem nächsten Ausbruchstunnel aus dem Gehege. Mal sehen, wo die dann rauskommen. – Eine Gartenbank zum auffrischenden Anstreichen vorgeschliffen.

In der Stadt

Wasserkunst, Marktplatz, Wismar

Gestern zu notwendigen Gängen in der Altstadt gewesen. Auch hier alles etwas gespenstisch. Zerrt und zehrt doch langsam an den Nerven. Dazu noch das verstohlene Hineinhorchen in den eigenen Körper. Brrr. Es hilft wohl nur Ablenkung durch sonstige Betätigung. – Dann haltet mal weiter die Ohren steif.

Die von ca. 1579 bis 1602 nach Plänen des Utrechter Baumeisters Philipp Brandin im Stil der niederländischen Renaissance erbaute Wasserkunst (es gab da Probleme mit der Finanzierung und dem Material) kratzt das alles nicht, sie steht unter dem anhaltend blauen Himmel und die goldfarbenen Schriften und Verzierungen leuchten in der Sonne. Die regenwasserspeienden Drachen an den Dachecken haben nichts zu tun und recken ihre Köpfe in die Luft.

Eine lateinische Umschrift auf dem Bauwerk wurde im 19. Jahrhundert nach einer Grundrestaurierung des Bauwerks durch eine deutsche Inschrift ergänzt. Diese lautet: „Brunnen, Wasser in Tonnen verkauft, und eine Leitung die Grube entlang, befriedigten nicht die Bedürfnisse der Stadt, und deshalb führte man 1571 durch Röhren frisches Quellwasser von Metelsdorf auf den Markt. Kriegsnoth wegen richtete man 1682 das Pumpwerk ein, welches Flusswasser aus dem Mühlengraben herbeibrachte und vereinigte beides Wasser nach der Belagerung von 1715. Des Behälters Schadhaftigkeit und Kleinheit wegen ist die alte Kunst bis auf den Grund niedergenommen und neu eingerichtet, vergrößert wieder erbaut worden im Jahre 1861. Möge durch des barmherzigen Gottes Gnade der Fleiß und die Treue der Vorsteher auf lange Zeit hin dies der Gesundheit, Reinlichkeit und öffentlichen Sicherheit gewidmete Werk unserer Stadt erhalten.“

Hafen

In der Reihe „Wismarer Stadtansichten aus der Konserve“ heute ein Foto des alten Hafens im Nachmittagslicht, Februar 2018.

Im Vergleich dazu eine Postkarte mit erhöhtem Blickwinkel aus den 1930ger Jahren. Am äußersten linken Bildrand sieht man darauf noch einen Teil des Wassertors, oben links die noch unzerstörte komplette Marienkirche, daneben nach rechts die Dächer von Heilig-Geist-Kirche (mit Dachreiter) und (dahinter) Fürstenhof und ganz rechts St.Georgen.

Frühlingsanfang!

Morgengruß aus dem Garten mit der ersten Blüte der Stern-Magnolie!

In other news und mittlerweile fast etwas albern: Dieses Jahr haben/hätten die Abkömmlinge früh Sommerferien in M-V gehabt. So früh, dass ich das erste mal seit Studententagen Gelegenheit für eine ganze Kieler Woche mit freiem Programmrosinenpicken gehabt hätte. Wie natürlich erwartet und inzwischen auch offiziell ist auch das, wie so vieles andere, perdu. – Gucken wir halt hier aufs Wasser und flöten uns selbst was vor:

Wismar, Mühlenteich, Sonntag, den 15.03.2020

Wenn der Schreibtisch etwas leerer geworden ist, ist die Planung für Aufräum- und vom Umfang her im Notfall mit Bordmitteln noch abschließbare Reparaturarbeiten dran. – (Eigentlich ist das ja auch ein Tom-Sawyer-kannst-mir-mal-den-Zaun-von-außen-streichen-Moment. Wobei mir gerade fürs Blog noch eine Idee kommt.)

Krämerstraße

Ganz so leer wird es vielleicht nicht werden, aber fast: Ab morgen um 6.00 Uhr und bis einschließlich 19. April 2020 gelten in nun auch in M-V u.a. Einzelhandelsbeschränkungen mit Ausnahmen für den täglichen Bedarf. – Unter den weiteren Maßnahmen z.B. weiter: – Beherbergung zu touristischen Zwecken ist nicht mehr erlaubt. Alle touristischen Gäste, die bereits angereist sind haben bis 19.03.2020 ihren Urlaub zu beenden und abzureisen. – Verboten sind jegliche Zusammenkünfte jedweder Glaubensgemeinschaften in Kirchen, Moscheen, Synagogen, Kapellen und anderswo. – Unaufschiebbare Zusammenkünfte wie Trauungen und Beisetzungen sind in Gegenwart von maximal 20 Personen zulässig. (Näheres. An weiteren Details basteln die Ministerien.)