Adventsdramolett

 

 „Heute gehen wir Glühwein proben!“
 sprach zur Holden er bestimmt,
 „Weihnachtsfeier! Wunsch von oben,
 dass der Partner teilnimmt!“
 
 
 Auf zum Marktplatz führn die Schritte  
 wo die kleinen Buden stehn
 mit nem Bäumchen in der Mitte
 um das Karussells sich drehn.
 
 
 „Ach, auch der Kollege endlich!
 Na, dann sind wir ja komplett
 und mit all den hübschen Damen
 wird der Abend sicher nett.
 
 
 Und, wo starten wir denn heute?
 Dort wo Glögg und Elchwurst locken,
 oder mitten in der Meute,
 wo die Wham!-Verehrer rocken?“
 
 
 Schiefes Lächeln, hingequälte
 aufgemalte Freundlichkeit,
 dutzendmale schon erzählte  
 Anekdoten, aufgereiht.
 
 
 An der Seite bei den Bäumen
 wird es lauter, man erschrickt;
 aus punschvergornen Heldenträumen
 wird ein handfester Konflikt.
 
 
 Unter falschem Sternenhimmel
 sehn Zwei Sternchen, Keilerei,
 und im Weihnachtsmarktgebimmel
 tönt manch unterdrückter Schrei.
 
 
 Viele trinken, manche essen
 mehr als es geboten wär
 und den Heimweg zu durchmessen
 fällt danach erwartbar schwer.
 
 
 Auf dem Sofa angekommen
 seufzt er, bis er leise spricht:
 „Hat uns ziemlich mitgenommen.
 Nächstes Jahr gehen wir nicht.“ 
(Symbolfoto)

Kiel-Friedrichsort

Wenn ich schon nicht selbst nach Friedrichsort komme in dieser (Kieler) Woche, dann gibt es doch wenigstens einen Blick dorthin, und zwar in die Vergangenheit der erst 2004 durch das Militär aufgegebenen Festungsreste:

„Kiel Fjord“ 1798 – Kartenausschnitt – Hagener Au und „Laböe“ im Osten, im Zentrum die – Königlich Dänische Seefestung Friedrichsort – , nordwestlich „Prüss“ und „Clasdorf“, im Norden Schilksee, im Südwesten „Vossbroek“ und Holtenau –

Nach dem auf der Karte angegebenen Maßstab hat die Festung einschließlich der Außenwerke/Ravelins ungefähr eine Breite von „1.000 Schritt“ und damit die vorher und danach nicht wieder erreichte größte Ausdehung.

Die Gesamtkarte umfasst nach Süden die ganze Kieler Förde bis zur Kieler Altstadt samt Schloss, zur heutigen Hörn und dem damaligen Lübschen Baum sowie den Weilern Hassee und Winterbek.

Im eingeschriebenen deutschen Anmerkungstext zur Stadt Kiel steht u.a. sehr aufschlussreich: „In der Stadt und den Vorstädten sind ungefähr 800 Häuser.“ Immerhin. – Wenn man sich die Karte ansieht, dann ist fast die einzige Ansiedlung, die Ihren Charakter behalten hat das alte Dorf Pries.

Abgesehen vom Blick auf die Innen- und Außenförde vom Strand beim Friedrichsorter Leuchtturm aus fällt mir zu Friedrichsort auch immer Joachim Ringelnatz ein, der als Marinesoldat in der Festung Dienst schob.

Dazu mein folgendes älteres Gereime in versuchter Annäherung:

Nichtgedicht

-Nicht- Joachim Ringelnatz
als Mariner in der Feste Kiel-Friedrichsort

(sondern meins)

Auf dem Strande
vor der Festung
wandern Möwen
hin und her

und wenn die
so kreischend lachen
hört man fast
das Meer nicht mehr.

Manchmal zieht
ein großer Dampfer
übers Nass der Förde hin.

Dann hab ich mal
was zu gucken
während ich
auf Wache bin.

Macht der Obermaat die Runde
steht man stramm
und gibt gut acht.

Denn sonst wird das nichts
mit „Landgang“
und ’ne blöde Samstagnacht.

A.B.