Krämerstraße

Ganz so leer wird es vielleicht nicht werden, aber fast: Ab morgen um 6.00 Uhr und bis einschließlich 19. April 2020 gelten in nun auch in M-V u.a. Einzelhandelsbeschränkungen mit Ausnahmen für den täglichen Bedarf. – Unter den weiteren Maßnahmen z.B. weiter: – Beherbergung zu touristischen Zwecken ist nicht mehr erlaubt. Alle touristischen Gäste, die bereits angereist sind haben bis 19.03.2020 ihren Urlaub zu beenden und abzureisen. – Verboten sind jegliche Zusammenkünfte jedweder Glaubensgemeinschaften in Kirchen, Moscheen, Synagogen, Kapellen und anderswo. – Unaufschiebbare Zusammenkünfte wie Trauungen und Beisetzungen sind in Gegenwart von maximal 20 Personen zulässig. (Näheres. An weiteren Details basteln die Ministerien.)

Neu ordnen

und dabei weiter die Lage beobachten.

Heimbürotag. – Die Abkömmlinge haben den Tag mit einer Laufrunde und einem kurzen Workout begonnen. Fein fein. – Danach gab es Frühstück und ich war auch deutlich ruhiger und glücklicher, nachdem ich meine vermisste Bankkarte wieder in Empfang nehmen konnte. Die war, wie ich rekonstruiert hatte, Ende letzter Woche nach dem Einkaufen/Bezahlen zuletzt von mir benutzt worden und ein unbekannter Wohltäter hat sie im betreffenden Laden abgegeben. Wenn ich sie da heute früh nicht bekommen hätte hätte ich sofort den Sperrspaß angefangen. – Nun, am Vormittag, gehen für den größeren Abkömmling so langsam über den Schulserver die Arbeitsaufträge der einzelnen Fachlehrer ein, jeweils versehen mit den erwarteten Rücksendedaten/-fristen. Das läuft also an. – Bis das beim kleineren Abkömmling auch beginnt hat der erstmal Radio an, der NDR hat seinen Sonderkanal NDR Info Spezial für ein ausgebautes Kinderprogramm freigeräumt und sendet das nun also. Dauerhaftes Youtubegucken hab ich ihm schon abgeschminkt. – Ich wollte noch kurz via Web ein ausgeliehenes Papierbuch verlängern und sehe, dass unsere Stadtbibliothek ab heute auch geschlossen und gleichzeitig automatisch alle Abgabefristen verlängert hat bzw. dabei ist das zu tun. – Nachdem die Schleswig-Holsteiner gestern die Inseln für Touristen gesperrt haben ziehen Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern heute nach. „Unsere Insel um die Ecke“, die Insel Poel, ist damit auch für uns erstmal nicht ansteuerbar, da wir da weder wohnen noch arbeiten. Richtig so. – Die sonstigen Ziele, also Küstenorte (an denen am Wochende wider alle Vernunft auch hier der Bär los gewesen sein soll) und die bevorzugten Urlaubsorte im Binnenland werden mit Sicherheit zeitnah auch für den Fremdenverkehr gesperrt werden. – Denn haltet mal die Ohren steif!

Abend am Hafen

Es ist trocken und relativ warm, da machen wir doch mal einen abendlichen Gang zum Hafen von Wismar und klappern die Hafenbecken ab.

Bevor wir zum Hafen kommen machen wir uns aber den Spaß, durch das alte „Wassertor“ zu wandern. Es stammt aus dem Jahr 1450 und ist das letzte verbliebene Stadttor der verschwundenen Befestigungen. Bevor wir die Straße überqueren bringen wir uns für den Dämmerungsspaziergang erst einmal mit einem Blick auf die beleuchtete Bodenplatte im Torweg in die richtige Stimmung.

Das Bild zeigt den Grafen Orlok (Beruf: Vampir) kurz vor Verlassen des Segelschiffes mit dem er in dem Stummfilmklassiker „Nosferatu“ die Stadt „Wisborg“ erreicht. Murnau nutzte mehrere Drehorte in Wismar (Hafen, Wassertor, Marktplatz, Hof der Heilig-Geist-Kirche, Kirchhof vor St. Nikolai), aber es tauchen im Film z.B. auch die Salzspeicher am Lübecker Holstentor als Teil von „Wisborg“ auf.

Da kommt übrigens der Graf mit seinem Bettzeug unter dem Arm gerade durchs Wassertor gewandert, um sich in Wisborg niederzulassen.

Heute Abend begegnen uns allerdings weder Vampire noch besonders viele Menschen, denn an diesem Mittwochabend im Januar werden auch hier am Hafen mangels Kundschaft die Bürgersteige früh hochgeklappt bzw. Geschäfte und Restaurants früh geschlossen.

Auf dem Werftarbeiterwohnschiff „Libra Star“, das mit Landstrom- und Landwasser-/-abwasseranschluss am alten Ausrüstungskai vor der Werft liegt, ist es allerdings hell. Viele haben gerade schichtfrei.

Und hier und dort sind auch noch die Ladekräne in Bewegung.

Aber da wo sich sonst zu entsprechenden Tages- und Jahreszeiten Gäste tummeln ist Ruhe.

Alter Hafen mit Blick auf Marienkirchturm und St. Georgen

Schonerbrigg

Postkarte, gelaufen, 1962
Wismar, Alter Hafen mit dem historischen Wassertor

Was ist das für ein Segelschiff im Hafen, das den (Postkarten-)Fotografen offensichtlich angelockt hat?

Mit Lampe und Lupe lässt es sich auf der Originalkarte am Heck des Schiffes gerade noch lesen, wenn man das Schiff nicht auch so erkennt:

Es ist die zu diesem Zeitpunkt gerade mal 11 Jahre alte stählerne Schonerbrigg „Wilhelm Pieck“, das Segelschulschiff der DDR.

Das 1951 in Rostock-Warnemünde gebaute Schiff gibt es noch. Es gehört heute der Hansestadt Greifswald und dient seit 1991 unter dem Namen „Greif“ weiter als Segelschulschiff. Vgl. auch hier (Website der Greif) und hier (NDR zur Geschichte).