Kühl und klar

war die Luft gestern. Da konnte man von der Hafenspitze hinter dem Baumhaus aus fein die Details ein paar tausend Meter weiter drüben in Wendorf am Yachthafen und an der Seebrücke ausmachen. Und dazwischen trockneten sich Kormorane und Möwen in der Novembersonntagssonne.

Und das Licht leuchtete quer durch die großen Fenster der St. Georgen Kirche.

Der Koggennachbau „Wissemara“ (vgl. dazu auch das Posting „Die „Poeler Kogge““) liegt im Hafen. Die Ausflugstörnsaison ist vorbei.

Lübsche Straße

Wismar, ein kleiner Teil der Lübschen Straße (die vom Marktplatz nach Westen, Richtung Lübeck, führt).

Das sieht beeindruckend aus. Aber was hat sich vor und hinter diesen Fassaden alles abgespielt …

v.l.n.r:

1) Für das Doppelgiebelhaus sind ab 1668 durchgängig einheitliche Eigentümer verzeichnet. (Vorher ist für das Jahr 1608 im Alten Stadtbuch Christian Tamke als gemeinsamer Eigentümer dortiger älterer Bauten vermerkt.) Das Haus ist auf dem altstädtischen Wasserleitungsplan von 1710 (siehe Foto am Fuß des Postings) mit einem Anschluss verzeichnet. Maueranker im Straßengiebel: „1667“; dendrochronologische Bestimmung: – Dächer: insgesamt 18 Proben, Kiefer, davon 13 Proben „Winter 1665/66“, – Keller: 10 Proben, Eiche, davon 1 Probe „1638“ und 7 Proben „Winter 1762/63“

2) Historischer Straßenseitiger Giebel – Maueranker 1674, (Bauherr Markus Burmeister, Ratsherr ab 1646), mit Wasseranschluss gem. Wasserleitungsplan von 1710 – mit nachgesetztem, verkleinertem Neubau von 1933

3) mittelalterliches Giebelhaus / Brauhaus, angekauft von Markus Burmeister 1670, vom Ursprungsbau hinter der Straßenfassade außer drei Kelleraußenwänden nichts mehr erhalten

4) ähnlich wie vor, mittelalterliche Fassade, Brauhaus; gemäß Wasserleitungsplan 1710 mit Wasserleitungsanschluss, nachgesetzter Neubau; nur Straßengiebel, Kelleraußenwände, die Brandmauern und die Kellerdecke aus der Zeit vor 1700

vgl. Informationssystem „Hausbiographien Wismarer Häuser des 17. und 18. Jahrhunderts“, Hochschule Wismar 2004.

Wasserleitungsplan Hansestadt Wismar 1710; o.g. Häuser hier rot markiert; oben ist Westen; links unten im Zentrum die Wasserkunst auf dem Marktplatz

Schwedenkopf

Berufsschifffahrt passiert die Dalben mit den Schwedenköpfen an der Hafeneinfahrt von Wismar.

Commercial traffic passing the starboard blue and yellow „Swedeshead“, entering the port of Wismar.
Postkarte, Hafeneinfahrt Wismar mit Schwedenkopf, gelaufen, 1952
„Windböe“ Geskizzel, Filzstifte, A5-Skizzenbuch

Am Hafen in Wismar

Was das für ein Betrieb war! Der Speicher steht noch …

– Am Hafen in Wismar –

Klabund (Alfred Henschke, 1890 – 1928)

O! als ich Matrose war!
Im Takelwerk der Brigg „Blaa Fugel“ hing!
Mit breiter, brauner Brust Sturm und Sonne fing!
Irrlichter tanzten nachts auf meinem Haar.

O! und in Wismar im Hafen,
Es gab faule Tage, faule Fische und nichts zu tun.
Wir waren dammig dun,
Als wir Anke Hansen trafen.

Ich habe Anke Hansen geliebt.
Wir sind am nächsten Tage heimlich zur Wahrsagerin geflischt,
Und sie hat uns für zwei Groschen aufgetischt,
Dass der Himmel in lauter Glanz gestiebt.

Ich wusste, dass ich sieben Kinder kriege,
Und ein Haus auf der Insel Poel.
Und immer viel Fleisch zu essen und Butter und Mehl –
Am Abend tappte ich zum letzten Mal von ihrer Stiege.

Wir trieben den Morgen draussen auf weiten Förden,
Ich schlug vor Wut den Kapitän.

– Heut hab ich in Wismar am Hafen einen blaublonden Jungen gesehn,
Der wollte Schiffsjunge werden.

Hafen Wismar, Postkarte, gelaufen, ca 1955
Hafen Wismar, Postkarte, gelaufen, ca 1959
Drei Hansestädte auf einem Bild – Ausflugsboot „Stralsund“, Frachter „Greifswald“ und der Alte Hafen von Wismar, Postkarte, gelaufen, ca 1968

Grüße aus 1966

Postkarte aus dem Sommer 1966 – „… sind gut angekommen. Wetter geht soweit. Omas kleinen Wunsch haben wir schon erfüllt, das gab es hier. Dieses Jahr steht das Ferienlager in Zierow noch, nächstes Jahr wird es abgebaut …“ Absender: Zierow, Wismar, Camping-Lager des VEB Bau Karl- Marx-Stadt.

Guck an, wieder was gelernt. Mal eingeborene Zierower fragen, wie oft und wo genau dort (wahrscheinlich eben da, wo heute der große Campingplatz ist) Ferienobjekte den Träger gewechselt haben.

Marktplatz Wismar, Ostseite mit Wasserkunst, Reuterhaus und Altem Schweden – Postkarte, gelaufen, Sommer 1966

Transport

Morgens in Wismar-Wendorf an der Seebrücke. Nein, da schwebt kein Schiff …
da kommt ein Schlepper. Mit ’ner Trosse dran.
Und an der Trosse hängt ein dicker Ponton mit Schiffsteilen (Kabinenelementen), die auf der Werft in Wismar gebaut wurden. Und die nun die Küste entlang zur Schwesterwerft nach Rostock-Warnemünde geschleppt werden.
Dahinter kommt noch ein Schlepper, damit da nichts aus dem Kurs läuft. Aber an diesem Morgen ist es, wie man sieht, erst einmal fast windstill.
Und ab geht es durch das Fahrwasser der Bucht in Richtung offene Ostsee.