Schwedenkopf

Berufsschifffahrt passiert die Dalben mit den Schwedenköpfen an der Hafeneinfahrt von Wismar.

Commercial traffic passing the starboard blue and yellow „Swedeshead“, entering the port of Wismar.
Postkarte, Hafeneinfahrt Wismar mit Schwedenkopf, gelaufen, 1952
„Windböe“ Geskizzel, Filzstifte, A5-Skizzenbuch

Kilmartin Glen – Temple Wood

Etwa 1,5 km südlich von Kilmartin, Argyll, Scotland, liegt in einer an prähistorischen Fundstellen überaus reichen Gegend der „Temple Wood“, ein im 19. Jhd. so benannter kleiner Hain, in dem zwei neolithische (Stein-)Kreise liegen, die im Verlauf der Jahrtausende wahrscheinlich von Versammlungs- und Ritualorten zu Begräbnisstätten umgestaltet wurden. In unmittelbarer Umgebung befinden sich noch mehrere Anlagen stehender Steine und mehrere Grabhügel..
Die 1929 erstmals ausgegrabene Anlage wurde in den 1970ger Jahren eingehend untersucht und später als Monument teilrekonstruiert und aufbereitet.
Schautafel mit Übersicht zur Entwicklung der Anlage
Die bei „Umnutzung“ zur Grabstatte eingefügte Grabkammer im Zentrum.
Halblinks eine gerade noch erkennbare Spiralgravur an einem der nördlichen Steine.

Das ist doch merkwürdig

und euch sicher auch aufgefallen:

Im vorigen Posting mit Bildern vom alten Hafen habt ihr ja auch eventuell mal die Seitenfassade des heutigen Hotels New Orleans (das höhere Gebäude halb rechts im Zentrum) auf den Postkarten von 55 und 59 angesehen.

Und dann gedacht, „Nanu“, habt ihr gedacht, „was war denn bloß mit der Fassade passiert, dass das auf dem Foto von Ende der 50ger Jahre durch diese erstaunliche, nicht abgrundtief schlechte aber schlichte und perspektivisch nicht ganz korrekte Handzeichnung im Negativ retuschiert werden musste?“

Hm. Leider weiß ich das auch nicht. Ein plötzlicher Mauerschaden oder der traurige Anblick zerstörter Fenster, der die Idylle trübte? Oder politsch unliebsame Deko? Mal sehen, ob man das herausbekommt.

Am Hafen in Wismar

Was das für ein Betrieb war! Der Speicher steht noch …

– Am Hafen in Wismar –

Klabund (Alfred Henschke, 1890 – 1928)

O! als ich Matrose war!
Im Takelwerk der Brigg „Blaa Fugel“ hing!
Mit breiter, brauner Brust Sturm und Sonne fing!
Irrlichter tanzten nachts auf meinem Haar.

O! und in Wismar im Hafen,
Es gab faule Tage, faule Fische und nichts zu tun.
Wir waren dammig dun,
Als wir Anke Hansen trafen.

Ich habe Anke Hansen geliebt.
Wir sind am nächsten Tage heimlich zur Wahrsagerin geflischt,
Und sie hat uns für zwei Groschen aufgetischt,
Dass der Himmel in lauter Glanz gestiebt.

Ich wusste, dass ich sieben Kinder kriege,
Und ein Haus auf der Insel Poel.
Und immer viel Fleisch zu essen und Butter und Mehl –
Am Abend tappte ich zum letzten Mal von ihrer Stiege.

Wir trieben den Morgen draussen auf weiten Förden,
Ich schlug vor Wut den Kapitän.

– Heut hab ich in Wismar am Hafen einen blaublonden Jungen gesehn,
Der wollte Schiffsjunge werden.

Hafen Wismar, Postkarte, gelaufen, ca 1955
Hafen Wismar, Postkarte, gelaufen, ca 1959
Drei Hansestädte auf einem Bild – Ausflugsboot „Stralsund“, Frachter „Greifswald“ und der Alte Hafen von Wismar, Postkarte, gelaufen, ca 1968

Wolken

Den ganzen Morgen über ist es trüb, der Nordwestwind treibt teilweise schwere Schauer über die Küste, nur ab und zu kommt ein Sonnenstrahl durch. Aber richtig kalt ist es nicht, wenn nicht gerade eine Böe pfeift.

Dabei fällt mir das schottische Wetter im letzten August ein.

Als wir ein paar Tage auf den „Schiefer-Inseln“ an der schottischen Westküste südlich von Oban Station gemacht haben, war das Wetter ähnlich:

Isle of Seil, Ellenabeich, Easdale Sound
Isle of Seil, Ellenabeich, Slate Quarry

Ein überfluteter Schiefertagebaukrater aus dem 19. Jhd.

Die Tagebaue waren, teilweise kaum 10 Meter von der Küstenlinie entfernt, teilweise bis zu 80 Meter tief.

Der abgebaute Schiefer wurde nach ganz Europa und nach Nordamerika verschifft. Eine einzelne Sturmflut im Jahre 1850, die fast alle Förderstätten flutete, setzte der Schieferindustrie auf den Inseln Seil und Easdale zum größten Teil ein abruptes Ende. Dennoch wurde, wenn auch in sehr viel kleinerem Maßstab, noch bis ca. 1950 Schiefer abgebaut.
Isle of Seil, Ellenabeich, Quarry, Workers Cottages

Gegenwart

Schreibtischpause und ein ganz kurzer Gedanke:

Viele Leute tun gern so, als ob Vergangenheit abstrakte Geschichte sei und nichts mit uns zu tun habe.

Was natürlich Unfug ist.

Bei mir auf dem Schreibtisch wirkte heute z.B. der nun wieder auf allen Kanälen ausgefochtene 2. Weltkrieg ganz praktisch und gegenwärtig fort. Ich schrieb u.a.:

“ … Zu letzteren Personen sind mir die näheren Lebensdaten oder Personenstandsurkunden trotz umfassender Recherchen, offenbar auch wegen der teilweisen Vernichtung der Personenstandsregister in … bei Vorrücken der Roten Armee im Jahre 1945, nicht bekannt geworden. … Die Nachforschungen bei dem Staatsarchiv in Stettin haben ergeben, dass für Herrn X Y und Frau Z Y, geb. A, neben Frau C D, geb. Y, geb. 190x, noch vier weitere ältere Kinder in dort archivierten Unterlagen verzeichnet sind. Dabei handelt es sich um …“ und so weiter und so fort.

Grüße aus 1966

Postkarte aus dem Sommer 1966 – „… sind gut angekommen. Wetter geht soweit. Omas kleinen Wunsch haben wir schon erfüllt, das gab es hier. Dieses Jahr steht das Ferienlager in Zierow noch, nächstes Jahr wird es abgebaut …“ Absender: Zierow, Wismar, Camping-Lager des VEB Bau Karl- Marx-Stadt.

Guck an, wieder was gelernt. Mal eingeborene Zierower fragen, wie oft und wo genau dort (wahrscheinlich eben da, wo heute der große Campingplatz ist) Ferienobjekte den Träger gewechselt haben.

Marktplatz Wismar, Ostseite mit Wasserkunst, Reuterhaus und Altem Schweden – Postkarte, gelaufen, Sommer 1966

Coaches Galore

Das war unerwartet. „Also, wir treffen uns alle zuerst im Kutschenmuseum in Kobrow II bei Sternberg in Mecklenburg.“ Ok, da hatte ich eigentlich keine großen Erwartungen. Aber … seht selbst, das sind nur ein paar wenige Beispiele der Ausstellungsstücke:

Now, that was unexpected. „Ok, first we all meet at the Museum of Coaches at the village „Kobrow II“ near Sternberg in Mecklenburg-Western Pommerania.“ Ok, that didn’t raise any expectations. But … have a look, these are just a few examples of the exhibits:
Mecklenburger Post-Omnibus
Genau das
Bierwagen, danach ein Bäckerwagen und dann der
Rettungswagen von 1890, Schweiz
Kleintier-Transportwagen, Hersteller L. Hof, Straubing, ca. 1920
Leichenwagen, Armbruster, Wien, um 1890
Park Drag, Peters & Son, London, 1890
Leib-Mylord der Kaiserin Auguste-Viktoria, Hofwagenfarbik Eduard Kühlstein, Berlin, 1908
Dreiviertel-Coupé, U. Kautt & Sohn, Karlsruhe, 1900
Coupé, Brewster & Co, New York, 1880
Buggy, Studebaker, USA, 1910
Werbung
Private Cab, Marston & Co, Birmingham, 1890 – First Owner: Sir Spencer, Pocklington
Doktorwagen, Bj. unbekannt
Und Lampen und Zaumzeug und noch viele, viele andere Kutschen und Fahrzeuge.
Ein beeindruckendes Museum mitten in der Provinz, über das man nicht gerade fällt.

Und schon wieder ist

und die Umleitung soll angeblich morgen nach Bauarbeiterfeierabend auch erstmal Geschichte sein.

Wie auf der aktualisierten, traditionell quietschbunten Seite zu sehen ist, feiert Wismar an diesem Wochenende wieder den schwedisch bestimmten Abschnitt seiner Geschichte.

Zeit für ein paar alte Bilder aus dem Fundus, denn die feldlagernden Schweden werden erst ab morgen wieder aktiv. Ich greife mal zu 2012 (bunt) und 2015 (gelb):

All dem Trubel kann man natürlich auch mit eher gelassenem Interesse begegnen …

(Nach wie vor mein Lieblingsbild -Beteiligte weder verwandt noch verschwägert).