Adventsdramolett

 

 „Heute gehen wir Glühwein proben!“
 sprach zur Holden er bestimmt,
 „Weihnachtsfeier! Wunsch von oben,
 dass der Partner teilnimmt!“
 
 
 Auf zum Marktplatz führn die Schritte  
 wo die kleinen Buden stehn
 mit nem Bäumchen in der Mitte
 um das Karussells sich drehn.
 
 
 „Ach, auch der Kollege endlich!
 Na, dann sind wir ja komplett
 und mit all den hübschen Damen
 wird der Abend sicher nett.
 
 
 Und, wo starten wir denn heute?
 Dort wo Glögg und Elchwurst locken,
 oder mitten in der Meute,
 wo die Wham!-Verehrer rocken?“
 
 
 Schiefes Lächeln, hingequälte
 aufgemalte Freundlichkeit,
 dutzendmale schon erzählte  
 Anekdoten, aufgereiht.
 
 
 An der Seite bei den Bäumen
 wird es lauter, man erschrickt;
 aus punschvergornen Heldenträumen
 wird ein handfester Konflikt.
 
 
 Unter falschem Sternenhimmel
 sehn Zwei Sternchen, Keilerei,
 und im Weihnachtsmarktgebimmel
 tönt manch unterdrückter Schrei.
 
 
 Viele trinken, manche essen
 mehr als es geboten wär
 und den Heimweg zu durchmessen
 fällt danach erwartbar schwer.
 
 
 Auf dem Sofa angekommen
 seufzt er, bis er leise spricht:
 „Hat uns ziemlich mitgenommen.
 Nächstes Jahr gehen wir nicht.“ 
(Symbolfoto)

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